Die Degewo und das Müllproblem

Ja, nicht nur Berlin hat an einigen Stellen ein Müllproblem. Auch das kommunale Berliner Wohnungsunternehmen Degewo hat ein Problem mit Müll. Interessant ist nur, wie die Degewo meint, dieses Problem lösen zu wollen. Denn statt besagten Müll effektiv zu beseitigen, verursacht sie sogar noch welchen zusätzlich, und das durch Entscheidungen, die kein gesunder Menschenverstand so richtig nachvollziehen kann.

Konkret geht es um die endgültige Schließung der Müllschlucker in den Doppelhochhäusern aus der DDR mit der Typenbezeichnung „SK 65“ nebst jeweils 25 Etagen und 8 Mietparteien bzw. Wohnungen pro Etage. Wie Sie zum Beispiel am Helene-Weigel-Platz gleich 3 mal vorzufinden sind. Der Beschluss bzw. das Vorhaben für die Schließung besagter Anlagen reicht bis auf das Jahr 2010 zurück.

Als Begründung werden Kosten- und Umweltgründe wie zum Beispiel die etwaige Brandgefahr sowie die fehlende Mülltrennung vorgetragen. Dass keins der Argumente wirklich schlüssig ist, interessiert die Degewo dabei nicht wirklich. Angefangen bei den Kosten, die wir Mieter nämlich zu größten Teil selber tragen. Da es sich hier um sogenannte „umlagefähige Betriebskosten“ handelt.

Weiter geht’s mit der angeblichen „fehlenden“ Mülltrennung. Eines der in meinen Augen scheinheiligsten Argumente überhaupt. Denn ob ich meinen Müll nun in den Müllschlucker werfe oder in die dafür vorhergesehene Tonne: In beiden Fällen kontrolliert keiner, aber wirklich niemand, ob dieser auch ordentlich getrennt ist. Ganz davon zu schweigen, dass die angebliche Mülltrennung in Teilen sowieso nichts weiter als ein Märchen ist. Siehe beispielsweise den Grünen Punkt.

Kommen wir nun zum letzten Argument der Degewo, dem unzureichenden Brandschutz. Auch hier wieder völliger Quark. Warum? Ganz einfach, weil in sämtlichen Versorgungsschächten zumindest hier bei uns Rauchmelder installiert sind, und ich bin sogar der Meinung, dass der Müllschlucker am Ende, also dort, wo der Müll in die Tonne hineinfällt, mittlerweile auch mit einer Sprinkleranlage ausgestattet ist.

Des Weiteren habe ich die böse Befürchtung, dass nach der Schließung der Müllschlucker nicht alle Mieter gewillt sein werden, den Müll nach unten bis in die Mülltonnen zu tragen, und der dann in den Fluren oder im Treppenhaus landet, welches bis zum heutigen Tage keine Überwachungskameras besitzt. Apropos Überwachungskameras: Auch diese sind erst seit Kurzem wieder installiert und auch wirklich in Betrieb.

Vor vielen Jahren nämlich wurden diese aufgrund von Datenschutzbedenken einiger Mieter einfach abgebaut. Erst eine hier arbeitende Conciergedame hat sich dafür eingesetzt, dass besagte Überwachungskameras wieder installiert und in Betrieb genommen werden müssen. Denn schließlich kann auch ein Concierge nicht an allen Orten gleichzeitig sein. Was zu vielen Rennerein und unliebsamen Überraschungen führte.

Und selbst jetzt, wo die Kameras wieder im Einsatz sind, hängen unten in der Vitrine gleich 2 Aushänge mit dem Hinweis, sämtlichen Sperrmüll doch bitte bei der BSR zu entsorgen, und nicht irgendwo im Haus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Ach ja, natürlich werden die Schließung der Müllschluckeranlage und die Erweiterung des Mülltonnenplatzes als Sanierung den Mietern mittels Mietserhöhung in Rechnung gestellt. Was aber laut eines Artikels aus dem Jahr 2021 auf der Webseite deutschesmietrecht.de rechtlich wohl nicht zulässig ist. Berufen wird sich dabei auf ein Gerichtsurteil vom AG Berlin-Neukölln, Urteil v. 7.6.2016, 11 C 314/15.